© (Copyright), International Software Architecture Qualification Board e. V. (iSAQB® e. V.) 2025
Die Nutzung des Lehrplans ist nur unter den nachfolgenden Voraussetzungen erlaubt:
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Sie möchten das Zertifikat zum CPSA Certified Professional for Software Architecture Foundation Level® oder CPSA Certified Professional for Software Architecture Advanced Level® erwerben. Für den Erwerb des Zertifikats ist es gestattet, die Text-Dokumente und/oder Lehrpläne zu nutzen, indem eine Arbeitskopie für den eigenen Rechner erstellt wird. Soll eine darüber hinausgehende Nutzung der Dokumente und/oder Lehrpläne erfolgen, zum Beispiel zur Weiterverbreitung an Dritte, Werbung etc., bitte unter info@isaqb.org nachfragen. Es müsste dann ein eigener Lizenzvertrag geschlossen werden.
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Sind Sie Trainer oder Trainingsprovider, ist die Nutzung der Dokumente und/oder Lehrpläne nach Erwerb einer Nutzungslizenz möglich. Hierzu bitte unter info@isaqb.org nachfragen. Lizenzverträge, die alles umfassend regeln, sind vorhanden.
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Falls Sie weder unter die Kategorie 1. noch unter die Kategorie 2. fallen, aber dennoch die Dokumente und/oder Lehrpläne nutzen möchten, nehmen Sie bitte ebenfalls Kontakt unter info@isaqb.org zum iSAQB e. V. auf. Sie werden dort über die Möglichkeit des Erwerbs entsprechender Lizenzen im Rahmen der vorhandenen Lizenzverträge informiert und können die gewünschten Nutzungsgenehmigungen erhalten.
Die Abkürzung "e. V." ist Teil des offiziellen Namens des iSAQB und steht für "eingetragener Verein", der seinen Status als juristische Person nach deutschem Recht beschreibt. Der Einfachheit halber wird iSAQB e. V. im Folgenden ohne die Verwendung dieser Abkürzung als iSAQB bezeichnet.
Lernziele im Überblick
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LZ 1-1: Nutzen und Ziele von Architekturdokumentation verstehen
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LZ 1-2: Bedeutung von Architekturdokumentation für unterschiedliche Stakeholder verstehen
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LZ 1-3: Architekturdokumentation gegen andere Arten von Dokumentation abgrenzen
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LZ 1-4: Passende Notationen für die Architekturdokumentation auswählen
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LZ 1-5: Dokumentation an verschiedene Entwicklungsvorgehen anpassen
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LZ 2-2: Zielgruppen und Ziele der Architekturdokumentation ermitteln
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LZ 2-3: Passende Struktur für Architekturdokumentation entwerfen
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LZ 2-4: Passendes Vorgehen für die Architekturdokumentation definieren
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LZ 2-5: Anwendungsszenarien für GenAI in der Dokumentation identifizieren
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LZ 2-6: Passende Dokumentations-Templates kennen und kontextgerecht auswählen
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LZ 3-3: Unterschiedliche Sichten zur Architekturdokumentation einsetzen
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LZ 3-5: Konsistenz zwischen Teilen der Dokumentation sicherstellen
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LZ 4-1: Passende Werkzeuge für Dokumentationsarbeit auswählen
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LZ 4-2: Anforderungen an Dokumentationswerkzeuge und -artefakte definieren
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LZ 4-4: GenAI-Werkzeuge als Unterstützung für Architekturdokumentation anwenden
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LZ 5-1: Sicherstellen der Gebrauchstauglichkeit von Dokumentation
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LZ 5-3: Differenzieren zwischen Reviews von Architektur und Dokumentation
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LZ 5-4: Ziele von Dokumentations-Reviews ermitteln und erklären
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LZ 5-5: Erstellen von Checklisten und Fragenkatalogen für Reviews
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LZ 5-6: Verschiedene Rollen bei Dokumentations-Reviews ausüben können
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LZ 5-7: Verbessern der Qualität von Dokumentation auf Basis von Review-Ergebnissen
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LZ 6-1: Vor- und Nachteile beispielhafter Architekturdokumentation erklären
Einführung: Allgemeines zum iSAQB Advanced Level
Was vermittelt ein Advanced Level Modul?
Das Modul kann unabhängig von einer CPSA-F-Zertifizierung besucht werden.
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Der iSAQB Advanced Level bietet eine modulare Ausbildung in drei Kompetenzbereichen mit flexibel gestaltbaren Ausbildungswegen. Er berücksichtigt individuelle Neigungen und Schwerpunkte.
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Die Zertifizierung erfolgt als Hausarbeit. Die Bewertung und mündliche Prüfung wird durch vom iSAQB benannte Experten vorgenommen.
Was können Absolventen des Advanced Level (CPSA-A)?
CPSA-A-Absolventen können:
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eigenständig und methodisch fundiert mittlere bis große IT-Systeme entwerfen
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in IT-Systemen mittlerer bis hoher Kritikalität technische und inhaltliche Verantwortung übernehmen
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Maßnahmen zur Erreichung von Qualitätsanforderungen konzeptionieren, entwerfen und dokumentieren sowie Entwicklungsteams bei der Umsetzung dieser Maßnahmen begleiten
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architekturrelevante Kommunikation in mittleren bis großen Entwicklungsteams steuern und durchführen
Voraussetzungen zur CPSA-A-Zertifizierung
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erfolgreiche Ausbildung und Zertifizierung zum Certified Professional for Software Architecture, Foundation Level® (CPSA-F)
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mindestens drei Jahre Vollzeit-Berufserfahrung in der IT-Branche; dabei Mitarbeit an Entwurf und Entwicklung von mindestens zwei unterschiedlichen IT-Systemen
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Ausnahmen sind auf Antrag zulässig (etwa: Mitarbeit in Open-Source-Projekten)
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Aus- und Weiterbildung im Rahmen von iSAQB-Advanced-Level-Schulungen im Umfang von mindestens 70 Credit Points aus mindestens drei unterschiedlichen Kompetenzbereichen
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erfolgreiche Bearbeitung der CPSA-A-Zertifizierungsprüfung
Grundlegendes
Was vermittelt das Modul „ADOC"?
ADOC vermittelt die Fähigkeiten:
-
die Dokumentation von Softwarearchitekturen selbständig zu konzipieren und zu erstellen
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bestehende Dokumentation bezüglich ihrer Eignung und Angemessenheit zu bewerten
-
bestehende Dokumentation zu verbessern.
Teilnehmende lernen, die wesentlichen Aspekte von Softwarearchitekturen (u. a. Entscheidungen, Strukturen, Konzepte, Qualitätsanforderungen und Sichten) systematisch zu beschreiben. Dazu stellt ADOC grundlegende Beschreibungs- und Notationsmittel sowie mögliche Werkzeuge zur praktischen Umsetzung vor.
Nachfolgend finden Sie eine übersichtliche „Navigationskarte" des Lehrplans, die jeden Abschnitt des Lehrplans kurz beschreibt.
01 – Grundbegriffe von Architekturdokumentation
Dieser Abschnitt führt in die Kernkonzepte der Architekturdokumentation ein. Er erläutert Nutzen und Ziele, die Bedeutung für verschiedene Stakeholder, die Abgrenzung zu anderen Dokumentationsarten sowie passende Notationen und deren Anpassung an unterschiedliche Entwicklungsvorgehen.
02 – Vorgehen bei Architekturdokumentation
Der Schwerpunkt liegt auf dem Erstellen von Architekturdokumentation für verschiedene Situationen. Sie lernen, Zielgruppen und Ziele zu ermitteln, passende Strukturen für die Dokumentation oder Teilen davon zu entwerfen, geeignete Vorgehensweisen zu definieren, GenAI-Werkzeuge sinnvoll einzusetzen und angemessene Templates auszuwählen.
03 – Bestandteile von Architekturdokumentationen
Beschreibt die konkreten Inhalte einer Architekturdokumentation. Dazu gehören Einflussfaktoren und Randbedingungen, Architekturentscheidungen, verschiedene Sichten (Baustein-, Laufzeit-, Verteilungssicht), übergreifende Konzepte sowie die Sicherstellung der Konsistenz zwischen den Dokumentationsteilen.
04 – Werkzeuge
Hier geht es um Auswahl und Einsatz von Werkzeugen für die Dokumentation. Sie lernen Anforderungen an Dokumentationswerkzeuge zu definieren und bekommen einen Überblick über den Docs-As-Code Ansatz. Dazu erhalten Sie einen Ausblick auf den Einsatz von GenAI-Werkzeugen als Unterstützung für die Architekturdokumentation.
05 – Dokumentation bewerten
Beschreibt, wie Sie Architekturdokumentation auf Gebrauchstauglichkeit überprüfen können. Sie lernen, zwischen inhaltlicher und formaler Begutachtung zu differenzieren, Ziele von Reviews zu ermitteln, Checklisten zu erstellen und verschiedene Rollen bei Reviews auszuüben.
06 – Beispiele
Rundet das Thema durch Vorstellung realer oder repräsentativer Fallstudien ab. Sie lernen anhand praktischer Beispiele Vor- und Nachteile von Architekturdokumentation zu erklären.
Struktur des Lehrplans und empfohlene zeitliche Aufteilung
| Inhalt | Empfohlene Mindestdauer (min) | Übungszeit (min) |
|---|---|---|
1. Grundbegriffe |
70 |
20 |
2. Vorgehen bei Architekturdokumentation |
90 |
60 |
3. Bestandteile von Architekturdokumentationen |
90 |
90 |
4. Werkzeuge |
90 |
30 |
5. Dokumentation bewerten |
75 |
45 |
6. Beispiele für Dokumentation |
60 |
0 |
Summe |
475 |
245 |
Gesamtdauer: 720 min (12h)
Dauer, Didaktik und weitere Details
Die unten genannten Zeiten sind Empfehlungen. Die Dauer einer Schulung zum Modul ADOC sollte mindestens 2 Tage betragen, kann aber länger sein. Anbieter können sich durch Dauer, Didaktik, Art und Aufbau der Übungen sowie der detaillierten Kursgliederung voneinander unterscheiden. Insbesondere die Art der Beispiele und Übungen lässt der Lehrplan komplett offen.
Lizenzierte Schulungen zu ADOC tragen zur Zulassung zur abschließenden Advanced-Level-Zertifizierungsprüfung folgende Credit Points) bei:
Methodische Kompetenz: |
20 Punkte |
Technische Kompetenz: |
0 Punkte |
Kommunikative Kompetenz: |
0 Punkte |
Voraussetzungen
Teilnehmende sollten folgende Kenntnisse und/oder Erfahrung mitbringen:
-
Grundlagen der Beschreibung von Architekturen mit Hilfe verschiedener Sichten, übergreifender Konzepte, Entwurfsentscheidungen, Randbedingungen etc., wie es im CPSA- F Foundation Level vermittelt wird.
-
Wünschenswert sind eigene Erfahrungen in der Erstellung und Pflege technischer Dokumentation von Software, insbesondere der Architektur von Software- oder Software-nahen Systemen.
Hilfreich für das Verständnis einiger Konzepte sind darüber hinaus:
-
Kenntnis typischer Herausforderungen bei Erstellung und Pflege von technischer Dokumentation:
-
Auswahl geeigneter Dokumentationsstrukturen, Notationen, Ergebnistypen (Stakeholderorientierung)
-
Behandlung großer Dokumentationen (insbesondere vorhandener oder veralteter Dokumentation)
-
Auswahl, Konfiguration und Einführung von Werkzeugketten (mit welchen Mitteln kann Dokumentation angemessen erstellt und gepflegt werden),
-
Versionierung von Dokumenten (Modelle und Texte)
-
Dokumentation in Teams, arbeitsteilige Erstellung und Pflege
-
Inhaltsbezogene und formale Reviews von Dokumentation.
-
Gliederung des Lehrplans
Die einzelnen Abschnitte des Lehrplans sind gemäß folgender Gliederung beschrieben:
-
Begriffe/Konzepte: Wesentliche Kernbegriffe dieses Themas.
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Unterrichts-/Übungszeit: Legt die Unterrichts- und Übungszeit fest, die für dieses Thema bzw. dessen Übung in einer akkreditierten Schulung mindestens aufgewendet werden muss.
-
Lernziele: Beschreibt die zu vermittelnden Inhalte inklusive ihrer Kernbegriffe und -konzepte.
Dieser Abschnitt skizziert damit auch die zu erwerbenden Kenntnisse in entsprechenden Schulungen.
1. Grundbegriffe von Architekturdokumentation
Dauer: 70 Min. |
Übungszeit: ca. 20 Min. |
1.1. Begriffe und Konzepte
Softwarearchitektur, Dokumentation, Stakeholder, Notation, Vorgehensmodell, Lösungsentwurf, UML.
1.2. Lernziele
LZ 1-1: Nutzen und Ziele von Architekturdokumentation verstehen
Softwarearchitekt:innen wissen, dass Architekturdokumentation kein Selbstzweck ist.
Sie können den Nutzen und verschiedene Ziele von Architekturdokumentation erklären, beispielsweise:
-
Architekturdokumentation unterstützt beim Lösungsentwurf, und bei der Kommunikation der Lösung dem Team und anderen (z. B. Auftraggebern) gegenüber.
-
Unterstützung der Entwicklung durch Vermittlung architektur- und entwicklungsrelevanter Entscheidungen, Fakten und Gründe.
-
Schriftliche Kommunikation relevanter struktureller und konzeptioneller Sachverhalte
-
Konservierung von Wissen über Entwicklung und Architektur
Sie können diese Ziele und den Nutzen von Dokumentation gegenüber Stakeholdern überzeugend vertreten.
LZ 1-2: Bedeutung von Architekturdokumentation für unterschiedliche Stakeholder verstehen
Softwarearchitekt:innen verstehen, dass unterschiedliche Stakeholder i. d. R. verschiedene Anforderungen an Architekturdokumentation haben, beispielsweise hinsichtlich:
-
Arten von Informationen, etwa zu Schnittstellen, Bausteinen, querschnittlichen Themen, Entscheidungen, technischen Risiken, grundlegenden Lösungsansätzen o. ä.
-
Darstellung solcher Informationen, etwa als (grafische oder textuelle) Modelle, als Grafiken oder Text
-
Detaillierungsgrad, etwa: Überblick, abstrakte oder detaillierte Darstellung
-
technische Repräsentation etwa mit oder ohne Schreib-/Änderungsmöglichkeiten, als PDF, HTML, Wiki, Textverarbeitung o. ä.
-
Grad der Aktualität.
LZ 1-3: Architekturdokumentation gegen andere Arten von Dokumentation abgrenzen
Softwarearchitekt:innen verstehen, dass Architekturdokumentation Berührungspunkte und teilweise Überdeckung zu anderen Arten von Dokumentation besitzt, beispielsweise:
-
Anforderungs-/Requirements-Dokumentation
-
Implementierungsdokumentation
-
Managementdokumentation
-
Testdokumentation
-
Betriebsdokumentation
LZ 1-4: Passende Notationen für die Architekturdokumentation auswählen
Softwarearchitekt:innen kennen verschiedene Notations- und Darstellungsmittel für Architekturinformationen, beispielsweise:
-
Modellierungsmethoden, wie UML, C4 ([Brown (C4)]), ArchiMate, Business-Process Modeling Notation (BPMN), Entity-Relationship (ER) Diagramme, Ereignis-Prozess-Ketten (EPK)
-
Textuelle Erläuterungen von Entscheidungen
-
Canvas (e.g. Architecture-Communication-Canvas [ACC] oder Bounded-Context-Canvas [DDD-Canvas])
Sie wissen, dass formalere Notationen wie UML für Architekturdokumentation hilfreich sein können, aber nicht zwingend erforderlich sind.
LZ 1-5: Dokumentation an verschiedene Entwicklungsvorgehen anpassen
Softwarearchitekt:innen wissen, dass
-
in eher formalen Entwicklungsvorhaben (etwa safety-critical) hohe Ansprüche an Architekturdokumentation gelten
-
in eher leichtgewichtigen Entwicklungsprozessen (agilen Prozesse) Teams eine dem System und dessen Umfeld angemessene Art von Dokumentation wählen sollten
-
je nach Vorgehen und Rahmenbedingungen des Vorhabens sehr unterschiedliche Dokumentationsarbeiten zu leisten sind
2. Vorgehen bei Architekturdokumentation
Dauer: 90 Min. |
Übungszeit: 60 Min. |
2.1. Begriffe und Konzepte
Vorgehensmodell, Rolle, Artefakt, iterativ/inkrementell, Lebenszyklus, agil.
2.2. Lernziele
LZ 2-1: Architekturdokumentation erstellen
Softwarearchitekt:innen können angemessene Architekturdokumentation für mittlere bis große IT-Systeme in beispielsweise folgenden Situationen erstellen:
-
Erstellung neuer Systeme
-
Weiterentwicklung bestehender Systeme mit vorhandener Dokumentation
-
Nachdokumentation bestehender Systeme ohne vorhandene Dokumentation
-
Dokumentation in Ausnahmesituationen (wenig Budget, wenig Zeit, wenig verfügbare Informationsquellen etc.)
Sie können Zielgruppen und Ziele der Dokumentation ermitteln (siehe LZ 2-2).
LZ 2-2: Zielgruppen und Ziele der Architekturdokumentation ermitteln
Softwarearchitekt:innen können die Zielgruppen („Stakeholder“) für Architekturdokumentation ermitteln (beispielsweise Management, Entwicklungsteam, fachliche Stakeholder, betriebliche Stakeholder, Test/QS).
Sie können zusammen mit diesen Stakeholdern konkrete Ziele der Dokumentation ermitteln.
LZ 2-3: Passende Struktur für Architekturdokumentation entwerfen
Softwarearchitekt:innen können für gegebene Situationen und Systeme eine passende Struktur für die Architekturdokumentation auswählen oder erarbeiten.
LZ 2-4: Passendes Vorgehen für die Architekturdokumentation definieren
Softwarearchitekt:innen finden für gegebene Situationen ein passendes Vorgehen zur Dokumentation. Sie können Stakeholdern und dem Entwicklungsteam die Vor- und Nachteile verschiedener Ansätze erläutern, etwa:
-
Dokumentation entsteht begleitend zur Entwicklungsarbeit
-
Dokumentation entsteht vor der Entwicklung/Implementierung
-
Dokumentation entsteht nach der Entwicklung („Dokumentations-Sprint“)
-
Dokumentation wird durch Personen aus dem Entwicklungsteam erstellt und gepflegt
-
Dokumentation wird durch Personen außerhalb des Entwicklungsteams erstellt und gepflegt
Sie wissen, dass agile Entwicklung und Architekturdokumentation nicht im Widerspruch zueinander stehen, und können dies Stakeholdern gegenüber begründen.
LZ 2-5: Anwendungsszenarien für GenAI in der Dokumentation identifizieren
Softwarearchitekt:innen wissen, wo und wie der Einsatz von GenAI-Werkzeugen bei Erstellung, Pflege und Nutzung technischer Dokumentation Mehrwert bieten kann. Dies umfasst beispielsweise:
-
Generieren von Dokumentation aus Code-Artefakten
-
Identifizieren und sichern architekturrelevanter Anforderungen
-
Abgleichen bestehender Dokumentation mit Quellcode
-
KI-Modelle als Ersatz für statische Dokumentation einsetzen
-
Informationen aus unstrukturierten oder schwach strukturierten Quellen (z. B. E-Mails, Chatverläufe, Tickets) extrahieren und mit bestehenden Inhalten verknüpfen
-
Einen Chatbot Fragen zu bestehender Dokumentation beantworten lassen (z.B. via RAG)
LZ 2-6: Passende Dokumentations-Templates kennen und kontextgerecht auswählen
Softwarearchitekt:innen kennen Beispiele von Architekturtemplates, etwa:
-
arc42 ([arc42],[Starke+2023],[Starke+2016])
-
ISO/IEE 42010 ([ISO/IEC 42010:2022] „Recommended Practice for Architecture Description of Software-Intensive Systems“)
3. Bestandteile von Architekturdokumentationen
Dauer: 90 Min. |
Übungszeit: 90 Min. |
3.1. Begriffe und Konzepte
Sichten, Entscheidungen, übergreifende Konzepte und Themen, Schnittstellen, Strukturen, Randbedingungen, Risiken, Qualitätsziele.
3.2. Lernziele
LZ 3-1: Einflussfaktoren und Randbedingungen dokumentieren
Softwarearchitekt:innen können Faktoren, die Einfluss auf Softwarearchitektur haben, identifizieren und geeignet dokumentieren. Dazu zählen:
-
Randbedingungen
-
Qualitätsanforderungen und -ziele
-
Technische Risiken
LZ 3-2: Architekturentscheidungen dokumentieren
Softwarearchitekt:innen können Architekturentscheidungen nachvollziehbar festhalten. Sie kennen beispielsweise Architecture Decision Records als eine feste Struktur für solche Entscheidungen (siehe [Nygard 2011], [ADR-GitHub])
LZ 3-3: Unterschiedliche Sichten zur Architekturdokumentation einsetzen
Softwarearchitekt:innen können verschiedene Architektursichten angemessen einsetzen und dokumentieren. Sie wissen, für welche Anwendungsfälle statische sowie dynamische Sichten am besten geeignet sind. Außerdem verstehen sie, wann welcher Detailgrad sinnvoll ist.
Sie kennen (und können anwenden) mindestens die folgenden Sichten:
-
Bausteinsicht (auch: Komponentensicht) als statische Struktur
-
Laufzeitsicht zur Beschreibung von Interaktionen, Reihenfolgen oder Zeitbedingungen.
-
Verteilungs- oder Deploymentsicht zur Beschreibung technischer Infrastruktur und deren Zusammenhang zu den Quellcode-Bestandteilen (siehe Bausteinsicht) des Systems
Siehe auch [arc42], [Starke+2023] und [Zörner 2021].
LZ 3-4: Übergreifende Konzepte dokumentieren
Softwarearchitekt:innen können Konzepte, die über Modulgrenzen hinaus oder querschnittlich durch die Software gehen, erkennen und entsprechend dokumentieren.
LZ 3-5: Konsistenz zwischen Teilen der Dokumentation sicherstellen
Softwarearchitekt:innen sind in der Lage, Konsistenz zwischen einzelnen Teilen der Dokumentation herzustellen und zu bewahren.
4. Werkzeuge
Dauer: 90 min |
Übungszeit: 30 min |
4.1. Begriffe und Konzepte
Analoge und digitale Werkzeuge, Modellierungstools, Toolkette.
4.2. Lernziele
LZ 4-1: Passende Werkzeuge für Dokumentationsarbeit auswählen
Softwarearchitekt:innen können passenden Werkzeuge für die verschiedenen Aktivitäten auswählen:
-
Erstellung und Pflege von Bestandteilen von Architekturdokumentation
-
Verwaltung der Bestandteile
-
Kommunikation von Inhalten mit Unterstützung der Bestandteile
Sie können:
-
analoge und digitale Dokumentationswerkzeuge situations- und bedarfsgerecht einsetzen
-
eine vollständige Werkzeugkette zur Architekturdokumentation anhand konkreter Anforderungen, Randbedingungen und weiterer Einflussfaktoren nachvollziehbar auswählen.
Sie kennen jeweilige Stärken, Schwächen und typische Herausforderungen beim Einsatz und der Integration verbreiteter Werkzeugenkategorien, beispielsweise:
-
Wikis
-
Modellierungswerkzeuge
-
Zeichenprogramme
-
Textverarbeitungen
-
Versionsverwaltungen
-
Sonstige (etwa: Blogs, Issue-Tracker etc.)
LZ 4-2: Anforderungen an Dokumentationswerkzeuge und -artefakte definieren
Softwarearchitekt:innen wissen, wie Werkzeuge bei verschiedenen Aufgaben rund um Architekturdokumentation unterstützen können.
Sie wissen, dass Dokumentation:
-
ähnlich wie Quellcode versioniert und Release-fähig verwaltet werden sollte
-
zu jedem definierten Stand der Software herstellbar oder generierbar sein sollte
LZ 4-3: Docs-As-Code Ansatz kennen
Softwarearchitekt:innen kennen den Ansatz Documentation-As-Code, bei dem die Architekturdokumentation ganz oder teilweise aus quellcode-ähnlichen Artefakten (z.B. Markdown oder AsciiDoc) erzeugt wird.
Sie kennen Werkzeuge, mit denen auch grafische Darstellungen aus textuellen Beschreibungen erzeugt werden können (etwa: [PlantUML])
LZ 4-4: GenAI-Werkzeuge als Unterstützung für Architekturdokumentation anwenden
Softwarearchitekt:innen kennen die Chancen und Risiken beim Einsatz von Generative AI (GenAI)-Werkzeugen im Rahmen der Dokumentation. Sie können solche Werkzeuge gezielt für einzelne Teilbereiche (etwa: architekturrelevante Anforderungen, Lösungsbeschreibung, Bewertung der Dokumentation) anwenden und sind in der Lage, die Ergebnisse abzusichern.
5. Dokumentation bewerten
Dauer: 75 Min. |
Übungszeit: 45 Min. |
5.1. Begriffe und Konzepte
Review, Checklisten, Fragenkataloge.
Die Lernziele in diesem Abschnitt beschäftigen sich mit der Überprüfung von Architekturdokumentation auf ihre Gebrauchstauglichkeit. Für den praktischen Einsatz von Dokumentation ist dies ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
5.2. Lernziele
LZ 5-1: Sicherstellen der Gebrauchstauglichkeit von Dokumentation
Softwarearchitekt:innen erkennen die Überprüfung auf Gebrauchstauglichkeit als einen wesentlichen Erfolgsfaktor der Dokumentation.
LZ 5-2: Differenzieren verschiedener Arten der Begutachtung
Softwarearchitekt:innen können zwischen inhaltlicher und formaler Begutachtung einer Architekturdokumentation differenzieren.
LZ 5-3: Differenzieren zwischen Reviews von Architektur und Dokumentation
Softwarearchitekt:innen können zwischen Review/Begutachtung einer Dokumentation und der Bewertung der Architektur oder des Systems differenzieren.
LZ 5-4: Ziele von Dokumentations-Reviews ermitteln und erklären
Softwarearchitekt:innen können mit den betroffenen Personen ("Stakeholdern") mögliche Ziele von Dokumentations-Reviews ermitteln und diese Ziele anderen Personen erklären.
LZ 5-5: Erstellen von Checklisten und Fragenkatalogen für Reviews
Softwarearchitekt:innen können Checklisten und Fragenkataloge für Reviews von Dokumentation erstellen.
LZ 5-6: Verschiedene Rollen bei Dokumentations-Reviews ausüben können
Softwarearchitekt:innen können im Rahmen von Dokumentations-Reviews in der Rolle von
-
Autor:innen mit Einwänden angemessen umgehen,
-
Gutachter:innen konstruktive Rückmeldungen an Autor:innen geben,
-
Moderator:innen ein fachliches Review leiten.
LZ 5-7: Verbessern der Qualität von Dokumentation auf Basis von Review-Ergebnissen
Softwarearchitekt:innen können auf Basis ermittelter Review-Ergebnisse vorhandene Architekturdokumentation weiterentwickeln und pflegen und dabei die Qualität dieser Dokumentation systematisch verbessern.
6. Beispiele für Dokumentation von Softwarearchitekturen
Dauer: 60 Min. |
Übungszeit: keine. |
Innerhalb jeder akkreditierten Schulung muss mindestens ein Beispiel einer dokumentierten Softwarearchitektur vorgestellt werden.
Art und Ausprägung der vorgestellten Beispiele können von der Schulung bzw. den Interessen der Teilnehmenden abhängen und werden seitens iSAQB nicht vorgegeben.
6.1. Lernziele
LZ 6-1: Vor- und Nachteile beispielhafter Architekturdokumentation erklären
Softwarearchitekten:innen haben an mindestens einem Beispiel Architekturdokumentation kennen gelernt.
Sie können Vor- und Nachteile vorgestellter Beispiele erklären.
Siehe etwa [arc42-by-Example].
Referenzen
Dieser Abschnitt enthält Quellenangaben, die ganz oder teilweise im Curriculum referenziert werden.
A
-
[ACC] arc42 and Contributors: The Architecture Communication Canvas, online: https://canvas.arc42.org
-
[ADR-GitHub] Various Authors: ADR GitHub Organization. Online: https://adr.github.io/ .
-
[arc42] Gernot Starke, Peter Hruschka and Contributors: arc42 - (open-source) template for architecture documentation and communication. https://arc42.org and https://docs.arc42.org
-
[arc42-by-Example] Gernot Starke, Michael Simons, Stefan Zörner, Ralf D. Müller, and Hendrik Lösch: arc42 by Example: Software Architecture Documentation in Practice. E-Book: https://leanpub.com/arc42byexample
B
-
[Bass 2021] L. Bass, P. Clements und R. Kazman: Software Architecture in Practice. 4. Edition, Addison-Wesley 2021.
-
[DDD-Canvas] DDD-Crew: The Bounded Context Canvas, online https://github.com/ddd-crew/bounded-context-canvas.
-
[Brown (C4)] S. Brown: The C4 model for visualising software architecture. Leanpub https://leanpub.com/visualising-software-architecture
-
[Brown (Guidebook)] S. Brown: The software guidebook. A guide to documenting your software architecture. Leanpub https://leanpub.com/documenting-software-architecture
C
H
I
-
[ISO/IEC 42010:2022] ISO/IEC: 42010:2022: Software, systems and enterprise — Architecture description. Available on https://www.iso.org/standard/74393.html.
K
N
-
[Nygard 2011] M. Nygard: Documenting Architecture Decisions. Blog Post 2011 https://cognitect.com/blog/2011/11/15/documenting-architecture-decisions. See also https://adr.github.io/
P
-
[PlantUML] PlantUML: Open-Source toolset and language definition to create diagrams from textual descriptions. Online: https://plantuml.com/ R
-
[Read2023] J. Read: Communication Patterns: A Guide for Developers and Architects. O’Reilly Media, 2023.
S
-
[Starke 2024] G. Starke: Effektive Softwarearchitekturen - Ein praktischer Leitfaden. 10. Auflage 2024, Carl Hanser Verlag, München.
-
[Starke+2023] G. Starke, P. Hruschka: arc42 in Aktion. Carl-Hanser Verlag, 2. Auflage 2022.
-
[Starke+2016] G. Starke, P. Hruschka: Communicating Software Architectures: lean, effective and painless documentation. Leanpub https://leanpub.com/arc42inpractice
U
-
[UML] Universal Modeling Language, homepage: https://www.uml.org. Provides both the standard plus a collection of resources for further information.
Z